Zentrum für Gewalt- und Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung

Schule hat die Aufgabe, Bedingungen für ein Zusammenleben zu gestalten, das jedem Individuum persönliche Entfaltungsmöglichkeiten eröffnet. Bedürfnisse aller Personen sollen gehört werden und Raum haben, ohne den sozialen Kontext aus dem Blick zu verlieren. 

Der Leitgedanke unserer Arbeit im Zentrum für Gewalt- & Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung ist, Pädagog_innen dabei zu unterstützen, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu empathischen, selbstbewussten, selbstverantwortlichen und beziehungsfähigen Personen zu begleiten und zu fördern. 

Beziehungsgestaltung und Persönlichkeitsbildung verstehen wir als Basis pädagogischen Handelns und fürsorglicher Entwicklungsbegleitung. Besondere Bedeutung haben Persönlichkeitsstärkung, (soziale) Verantwortung, Peer-Learning, Gewalt- und Mobbingprävention sowie Leadership. 

Aus diesem Blick ergeben sich für uns folgende Leitfragen: 

  • Welche Beziehungsangebote, Kompetenzen und Rahmenbedingungen sind wichtig, um sich zu einer empathischen, selbstverantwortlichen und selbstbewussten sowie beziehungsfähigen und mündigen Person zu entwickeln? 
  • Welche Werte, Haltungen und Fähigkeiten braucht es von den handelnden Erwachsenen, die mit den Kindern und Jugendlichen in Beziehung treten? 
  • Welche Strukturen, Programme, Publikationen, Methoden und Maßnahmen sind geeignet, hierbei zu unterstützen? 

Das Zentrum für Gewalt- & Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung an der PPH-Burgenland widmet sich zentralen Schwerpunkten, die von besonderer Bedeutung für die Persönlichkeitsbildung, Beziehungsgestaltung und Primärprävention an Schulen sind. Dies umfasst die hier dargestellten Themenbereiche, die im Sinne umfassender Entwicklungsprozesse an Schulen gedacht werden. Um hier breite Wirksamkeit erzielen zu können, ist ein ganzheitlichen Blick auf Professionalisierung, Unterrichtsentwicklung und Organisationsentwicklung erforderlich.  

Die Entwicklung jedes Menschen ist mit individuellen Bildungsprozessen verbunden. Wir lernen immer – bewusst und unbewusst, von und mit anderen – auf unsere eigene Art und Weise. Dies geschieht insbesondere durch Interaktionsprozesse mit der Umwelt. Durch diese Impulse entwickeln wir in Ko-Konstruktion mit unserem Umfeld unsere Wirklichkeit. Gerade in jungen Jahren ist in diesem Prozess die Förderung persönlichkeitsstärkender und lernförderlicher Haltungen sowie sozio-emotionaler Kompetenzen von großer Bedeutung. Es geht darum, die einzelnen Individuen zu stärken  und eine für alle Beteiligten förderliche Gemeinschaft zu ermöglichen. Alle Beteiligten sollen in ihrer Persönlichkeit an diesen Prozessen wachsen können. 

Nur in einem ausgewogenen Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft und mit Bedacht auf die unverhandelbare Würde des Menschen können die Gelingensbedingungen für förderliche Bildungsprozesse geschaffen werden. Beziehungsgestaltung so umzusetzen, dass konstruktive und tragfähige Beziehungen in der Peer-Group, Klasse und Schule möglich werden, ist eine zentrale pädagogische Aufgabe. Der Aufbau eines Klimas des Vertrauens und des Wohlbefindens hat vor allem in der Ermöglichung nachhaltiger Bildungsprozesse in Gruppen Bedeutung. Hierfür braucht es klare Rahmenbedingungen, Regeln, Vereinbarungen und Grenzen ebenso wie fürsorgliche Anteilnahme und pädagogische Führung. Die Vorbildwirkung von Pädagog_innen in der Ausgestaltung ihrer Beziehungen mit Kindern und Jugendlichen hat hierauf großen Einfluss.  

Die grundlegenden, von Jesper Juul geprägten, Werte der Gleichwürdigkeit, Integrität, Authentizität und Verantwortung haben auch hier große Bedeutung. Es geht darum, fürsorglich – sich selbst und anderen gegenüber – die eigene Führungsrolle auszufüllen. Das bedeutet auch, eigene Bedürfnisse und eigene Grenzen zu kennen und diese authentisch sowie angemessen vertreten zu können. Pädagog_innen zeigen als Rollenmodell auf diese Weise, dass eigene Bedürfnisse zu spüren und sie angemessen zu äußern eine Grundlage für die Gestaltung eines gemeinsamen Lebensraumes ist. Das ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, auch ihre Bedürfnisse und Wirklichkeiten ohne Sorge vor Bewertung zu äußern. Die Rahmenbedingungen zu gestalten, in denen sich diese Beziehung und Förderung vollziehen, liegt in der Verantwortung der Erwachsenen.  

Kinder und Jugendliche lernen ebenso wie Erwachsene in großem Ausmaß durch Vorbilder und Erfahrungen von Freunden und Gleichaltrigen. Aus dem Einfluss, den Peers auf Lernprozesse und die Gemeinschaft haben, kann durch Peer-Learning ein pädagogisches Konzept werden. Dieses ermöglicht es, Vertrauen von Schüler_innen in sich selbst, in die Gruppe und in Lehrer_innen aufzubauen. Möglichkeiten der Beteiligung und der Verantwortungsübernahme im Schulalltag werden hierdurch geschaffen.  

Ziel von Peer-Learning-Programmen ist, dass Schüler_innen individuelle Kompetenzen in all ihrer Vielfalt einbringen, Verantwortung übernehmen und an Herausforderungen wachsen. Auf diese Weise erleben sie Selbstwirksamkeit und entwickeln Zutrauen in ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten. Peer-Learning legt daher besondere Aufmerksamkeit auf Stärkenorientierung, sozio-emotionales Lernen und der Gestaltung förderlicher Beziehungen im pädagogischen Alltag.  

Peer-Learning-Programme helfen dabei, Schule zu einem Ort der Persönlichkeitsstärkung zu machen, an dem individuellen Stärken größere Bedeutung als noch vorhandenen Defiziten beigemessen wird. Dadurch wird ein nachhaltiger, dauerhafter Bildungsprozess im Sinne des Vertrauens auf sich selbst angeregt und gefördert. 

An der eigenen Schule müssen sich Schüler_innen und Lehrer_innen sicher und wohl fühlen können. Gewalt und Mobbing beeinträchtigen nicht nur die psychische und physische Gesundheit, sondern auch die sozio-emotionale Entwicklung sowie die Beziehungsqualität aller Beteiligten und somit auch die Gelingensbedingungen für Bildungsprozesse. Maßnahmen schulischer Primärprävention haben hierbei besonders große Bedeutung für die Ermöglichung eines Lernraums Schule, an dem ohne Angst vor Übergriffen gelebt und gelernt werden kann.  

Schulleiter_innen sowie Lehrer_innen haben einen entscheidenden Einfluss auf erfolgreiche Lern- und Lehrprozesse und Primärprävention von Gewalt durch: 

  • ihren Einsatz & ihre Vorbildwirkung 
  • bedingungslose Ablehnung von Gewalt 
  • klare Grenzziehungen und würdewahrende Konsequenzen 
  • Förderung prosozialen Verhaltens  
  • Wissen um die Stärken und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen 
  • professionelle Reflexionsbereitschaft von Praxiserfahrungen. 

Insbesondere durch die Vermittlung von Wissen über die Entstehung von und den Umgang mit Gewalt, durch konsequentes Einschreiten, die Stärkung sozialer und emotionaler Kompetenzen und konstruktive Konfliktlösungsansätze, kann diese Primärprävention gelingen. Hierfür ist ein gemeinsames Vorgehen der Schulgemeinschaft sowie die Verbindung von Unterrichtsentwicklung, professioneller Weiterentwicklung von Pädagog_innen und Organisationsentwicklung besonders wichtig. 

Die Art und Weise der Führung im Schulsystem bestimmt das Schulklima maßgeblich mit und kann die damit verbundene Verantwortung auch in Schulentwicklungsprozessen bewusst aufgreifen, reflektieren und gestalten.  Schulleiter_innen sind hierbei die zentralen „Change Agents“. Bei ihnen liegt einerseits die strukturelle Verantwortung für die Qualitätsentwicklungsprozesse. Sie schaffen jedoch durch ihre Vorbildwirkung auch den Raum für prosoziales Verhalten, Empathie, Konfliktprävention und wechselseitige Fürsorge. In der Führungsverantwortung an Bildungseinrichtungen kann der Blick daher besonders darauf fokussiert werden, die Kommunikation so zu gestalten, dass die Verbindung zu- und miteinander gestärkt wird, Mitarbeiter_innen Orientierung für ihr Handeln gewinnen und sich emotional als Mitglied der Organisation fühlen.  

Publikationen – Transferarbeit  

Erarbeitung und Herausgabe von Publikationen. Wissenschaftsbasierte Auseinandersetzung sowie Transformation in praxistaugliche Formate (bspw. Leitfäden) in Bezug auf: 

  • pädagogische Beziehungsgestaltung 
  • Peer-Learning 
  • konstruktive Konfliktbearbeitung 
  • Gewalt- und Mobbingprävention  
  • Persönlichkeitsbildung und Persönlichkeitsstärkung 
  • Selbstkompetenz, sozio-emotionale Kompetenz, Systemkompetenz 
  • Leadership 

Beratung und Fortbildung – Professionalisierung & Unterstützung der Praxis  

Organisation und Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikator_innen, Durchführung von (Pilot)Projekten; Beratung von Bildungsinstitutionen – insbesondere Schulen, Schulleiter_innen und Pädagog_innen – bei der nachhaltigen und professionsbezogenen Verankerung von:  

  • pädagogischer Beziehungsgestaltung 
  • Peer-Learning-Programmen 
  • konstruktiver Konfliktbearbeitung 
  • Förderung von Persönlichkeitsbildung und Persönlichkeitsstärkung 
  • Gewalt- und Mobbingprävention 
  • Methoden, Modellen und Umsetzungsmöglichkeiten der Förderung personaler, sozialer und emotionaler Kompetenzen  
  • dem Schaffen eines förderlichen Rahmens nachhaltigen Bildungserwerbs in Gruppen 
  • Führung und Management von Bildungseinrichtungen und Klassen 

Systemvernetzung 

Öffentlichkeitsarbeit sowie Aufbau von Kooperationen mit Bildungs- und Wissenschaftsinstitutionen sowie mit NPOs und Initiativen im Bildungsbereich. 

Das Zentrum für Gewalt- & Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung bietet themenspezifische und auf aktuelle Bedarfe abgestimmte Fort- und Weiterbildungsangebote an. Inhaltlich bewegen sie sich von evidenzbasierter, unterrichtsbezogener Primärprävention bis hin zu umfassenden Schulentwicklungsmaßnahmen. Besonders wichtig bei der Gestaltung unserer Angebote ist uns die direkte Einsatzmöglichkeit im pädagogischen Handeln und der Blick auf niederschwellige sowie nachhaltige Maßnahmen.

Ausgehend vom Projekt „Schulklima 4.0 – Schlüssel zur Prävention“ finden im Wintersemester Online-Seminare zu den Themenfeldern Klassenklima, psychosoziale Gesundheit und Gewaltprävention statt. 

Die Online-Seminare sind für alle interessierten Pädagog_innen zugänglich. Eine Anmeldung ist bis eine Woche vor dem jeweiligen Termin möglich, sofern noch freie Plätze vorhanden sind. Hier finden Sie den Katalog zu den Seminaren. 

Online-Seminare (pdf)

Besonders in den vergangenen Monaten haben Umbrüche und damit verbundene Veränderungen im Beziehungssystem alle Beteiligten in der Schule vor große Herausforderungen gestellt. 

Psychosoziale Gesundheit und gruppendynamische Aspekte niederschwelliger Präventionsarbeit wurden stark beeinflusst. Die Tagung „Gewalt- und Mobbingprävention an Schulen“ der PPH Burgenland widmete sich der Leitfrage, wie angesichts dieser Entwicklungen die Förderung von psychosozialer Gesundheit und die Prävention von Gewalt und Mobbing an Schulen gelingen kann. In Vorträgen und Workshops wurden tragfähige und evidenzbasierte Maßnahmen, die sich in der Praxis bewährt haben, vorgestellt, diskutiert und analysiert. Das Ziel hierbei war, Pädagog_innen in ihrer täglichen präventiven Arbeit zu unterstützen und ihre individuelle Handlungsfähigkeit zu erweitern. Die Tagung fand im Rahmen einer Präsenzveranstaltung an der PPH Burgenland unter strenger Einhaltung der Covid-19-Regeln vom 2. bis 3. September 2021 statt. 

Die Tagung startete mit dem Film „Mobbing?“ von Andrea Motamedi, Andre Blau und con-act, der sich diesem Thema auf theatralische Weise annähert. Die Analyse versuchte insbesondere auf die Hintergründe von Mobbing und deren Auswirkungen auf Betroffene einzugehen. 
In ihrer Keynote „Cybermobbing – „neues“ Phänomen!?“ gab die vielgefragte Expertin für Safer-Internet Barbara Buchegger einen kurzweiligen Einblick in die Prozesse der digitalen Medien beim Cyber-Mobbing. PHB-Mitarbeiter Florian Wallner, anerkannter Experte in Mobbingprävention und Mitinitiator des Projekts Schulklima 4.0 – Schlüssel zur Prävention (https://www.ph-burgenland.at/bildergalerien/schulklima/), widmete sich der Frage, wie die Förderung der psychosozialen Gesundheit und Mobbingprävention in den Schul- und Unterrichtsalltag eingebettet werden kann. 
Am zweiten Tag standen viele Workshops zur Prävention bzw. zur Intervention und den damit verbundenen brennenden Fragen zur Auswahl. Besonderen Stellenwert hat die Beziehungsgestaltung von Pädagog_innen und Schüler_innen auf allen Ebenen. Gruppendynamische Faktoren haben in diesem Zusammenhang ebenso große Bedeutung wie der Umgang mit Konflikten, die Ausgestaltung von Regeln und Konsequenzen oder die strukturelle Verankerung von präventiven Maßnahmen in der Schulkultur. 

„Ein wichtiger Auftrag der österreichischen Schule ist es, junge Menschen zu gesunden, verantwortungsbewussten Bürgern heranzubilden. Dazu müssen sie Grund-, Selbst- und Sozialkompetenzen erwerben. Durch zahlreiche Studien wissen wir, dass der Kompetenzerwerb des Kindes nur in einem förderlichen, angstfreien Raum stattfinden kann. In Schulklassen entwickeln sich aber oft Dynamiken, die sowohl im analogen als auch im digitalen Raum zu Spannungen, Aggressionen und Gewalt führen und die somit Lernen verhindern“, sagt PHB-Rektorin Sabine Weisz. Hier seien alle Akteur_innen in der Schule verpflichtet, genauer hinzusehen und sich diesen Problemen aktiv zu stellen. „Nur so kann die Schule ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen. Der Alltag in der Klasse mit den vielfältigen Begegnungen bietet täglich kleine Lernanlässe für die Entwicklung von Empathie, Konfliktfähigkeit und Toleranz.“, so Rektorin Sabine Weisz. 

Sie bedankte sich abschließend bei allen Gästen, allen voran Ministerialrätin Beatrix Haller, stellvertretende Leiterin der Abteilung Schulpsychologie, Gesundheitsförderung und psychosoziale Unterstützung, Bildungsberatung im BMBWF, Ministerialrätin Maria Gruber-Redl, Projektverantwortliche für den Projektauftrag der Mobbing(präventions)berater_innen des Ressorts (BMBWF), Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz, Abteilungsleiter der Schulpsychologie Klaus Fandl sowie beim Team um Florian Wallner, der diesen für die PPH Burgenland wichtigen Schwerpunkt betreut, und bei allen Teilnehmer_innen für ihr Interesse und ihr Engagement in diesem Themenbereich. 

Auch im September 2022 wird wieder die bundesweite Tagung „Gewalt- und Mobbingprävention an Schulen“ stattfinden. Details hierzu folgen demnächst. 

Im Sommersemester 2022 startet die schulartenübergreifende und bundesweit ausgeschriebene Seminarreihe „Coach für Peer-Learning“. In drei Semestern werden die wichtigsten Kompetenzen und Techniken zum Aufbau und der Begleitung eines Peer-Programms am Schulstandort vermittelt. Die Situation rund um Covid19 hat sichtbar(er) gemacht, wie wichtig positive Beziehungen zwischen allen Akteur_innen des Schulsystems sind. Erst durch diese und damit verbundene lebendige Lernräume kann ein gelingender Rahmen für Bildung geschaffen werden. Peer-Learning-Programme bieten hierfür vielfältige Möglichkeiten.  

Peer-Learning macht aus dem Einfluss, den Peers auf Lernprozesse haben, ein pädagogisches Konzept, das das Ziel verfolgt, Vertrauen von Schüler_innen in sich selbst, in die Gruppe und in Lehrpersonen aufzubauen, indem Möglichkeiten der Mitwirkung im Schulalltag und der Verantwortungsübernahme geschaffen werden. 

Modulreihe Coach für Peer-Learning (pdf)

Coach für Peer-Learning – Modulinformation (pdf)