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Unsere Identität ist eine Option unter anderen...

Symposium „Diversität und Religionspädagogik“

Eva Maltrovsky

Auf der Heimfahrt drehte ich das Radio auf. In Ö1 wurde soeben in einer Sendung Isolde Charim, die vielbeachtete Autorin des Buches „Ich und die Anderen“ begrüßt. – Die Philosophin war auch jene Referentin, die am Vortag den Eröffnungsvortrag auf unserem Symposium gehalten hatte.

Die zweitägige Veranstaltung stand unter dem Thema „Religionspädagogik und Diversität“. Isolde Charim hob in ihrem Referat „Wir leben in einer pluralisierten Gesellschaft. Es gibt keinen Weg zurück“ hervor, dass es sich bei Pluralisierung um keine Addition handle. Sie kann auch nicht als rein äußerlicher Vorgang gesehen werden, sondern als innerer Prozess verändert sie uns selbst.

Eine ihrer zentralen Aussagen ist, dass eine vollständige Identität eine Illusion ist. Heute muss sich der Mensch immer wieder versichern, wo sein Platz ist. Diese Identität steht neben anderen Identitäten. Das weniger selbstverständlich Ich-Sein verlangt Arbeit ab, kann Menschen aber auch verunsichern. Dies sind Gründe, warum sich Abwehrhaltungen in manchen Bevölkerungsgruppen entwickeln.

Eine Zugehörigkeit, die ständig in Frage gestellt wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Sie verändert den Bezug zu jeder Gemeinschaft. Daher ist dieser Bezug nicht mehr naiv zu haben. Dies könnte aber auch einen Demokratisierungsschub bewirken.

Manuela Kalsky, evangelische Theologin am Lehrstuhl für Theologie und Gesellschaft der Universität Amsterdam, hielt mehrere Impulsreferate zu den Themen „Die Auswirkungen von Individualisierung, Säkularisierung und Globalisierung auf die religiöse und weltanschauliche Situation im Europa des 21. Jahrhunderts“ und „Mehrfache religiöse Verbundenheit – Konsequenzen für unsere Gesellschaft“ mit anschließender Diskussionsmöglichkeit. Ein Grundgedanke war, mehr in Beziehung zu denken als in Abgrenzung. Sie verwendete dafür das Bild des „Rhizoms“. Das Recht anders zu sein, versteht sie als demokratisch, während der Anspruch auf Einheit ein Konzept der Macht sei. In ihrem Referat „Auf der Suche nach einem neuen Wir“ stellte Manuela Kalsky auch die Website www.nieuwwij.nl vor, die als größte Website für interreligiöse und interkulturelle Fragen in den Niederlanden gilt. Hier sind konkrete Beispiele zu sehen, wie Diversität in kleinen „Wirs“ funktioniert.

Der vom IRPD der Pädagogischen Hochschule Burgenland veranstaltete zweitägige Auftakt in das neue Studien- und Schuljahr fand in der letzten Ferienwoche statt und wurde von zahlreichen Religionslehrer_innen besucht. Als Abendveranstaltung fand eine Messe statt, zelebriert von Bischof Ägidius Zsifkovits und Generalvikar Martin Korpitsch. Vizerektorin Inge Strobl-Zuchtriegl und Institutsleiter Harald Mandl verabschiedeten den langjährigen Schulamtleiter Erich Seifner, der in dieser Funktion in den Ruhestand tritt. Die neue Schulamtsleiterin Andrea Berger-Gruber, die ab 1. September 2019 ihren Dienst antrat, wurde herzlich begrüßt. Überdies wurden zwölf junge Religionslehrer_innen gesendet. Der Abend klang bei geselligem Beisammensein von 70 – 80 Teilnehmer_innen in einer lauen Sommernacht aus.