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Nachtgebet „bis jemand eingreift“

Von: Adele Grill

Im Oktober 2019 fand das fünfte Nachtgebet des Instituts für Religionspädagogik und Diversität der PH Burgenland in Kooperation mit dem Kath. Bildungswerk der Diözese Eisenstadt statt.

In der mit dem Burgenländischen Landesarchitekturpreis 2016 ausgezeichneten Kirche in Neuhaus in der Wart teilten 60 interessierte Pädagog_innen singend, schweigend, meditierend ihre Gottsuche. Der Sonnengesang des Heiligen Franziskus inspirierte die Architektin Doris Dockner für die Gestaltung der Kirche. Die fast schwellenlos gebaute Verbindung zur Natur lässt die Apsis mit dem Außenraum verschmelzen und zeugt von der Allgegenwart Gottes.

Lebensader jedes Nachtgebets sind Texte und Gedichte von Siegmund Kleinl. Das titelgebende „bis jemand eingreift“ widmet sich dem Propheten Ezechiel. Prophetisch die Rede, sie rührt an und spricht laut und deutlich aus, was Sache ist, herausfordert und weiterleben lässt.

Generalvikar Martin Korpitsch wies in seiner Predigt auf die menschliche Verantwortung jedes/jeder einzelnen hin und verdeutlichte, wie sehr Gottes Wirken und menschliche Solidarität Heil bewirken. Gott nimmt das Herz aus Stein und gibt ein Herz aus Fleisch – so werden Menschen ermutigt, sich zu engagieren und gegen Unrecht zu positionieren, woraus eine neue Welt, ein soziales Miteinander entstehen.

Musik vermag das Unaussprechliche greifbarer, begreifbar zu machen. Peter Bauer entlockte seiner Trompete Töne und Klänge, die prophetischer nicht sein können. Von Georg Friedrich Händel: Solosonate B-Dur Adagio – Allegro über Cesar Franck: Panis angelicus bis zu einer eigenen Improvisation und dem Jazzstandard: My old Flame - das Herz ging auf.

„ein muskel-herz, das seine kräfte spielen lässt, impulse gibt, den leib mit leidenschaft durchblutet für ein anderssein, ein anderes, füreinander. ein starkes herz, so ganz aus fleisch ohne verhärtung, intakt, nicht infarkt, nicht stillstand. bewegt, bis es im wortsein ruht.“ (Siegmund Kleinl) Dessen Bild „Ezechiel“ bringt es klar auf den Punkt: Menschen wirken in der Welt. Rotzig. Ohne Angst. Widerständig und visionär.

Viele Kolleg_innen verließen die Kirche mit dem neu erworbenen Buch „PropheZeit“ von Siegmund Kleinl in der Hand, vielleicht auch mit einer gehörigen Portion Mut. Und alle genossen die Agape mit Salzstangerln und Weinen des Weinguts Thomas Wachter.

Karin Hörist-Wachter sei gedankt für die liebevolle Wein-Begleitung.

Um noch einmal Siegmund Kleinl zu Wort kommen zu lassen: „wir sitzen unter schattigen baum vor den kellern, trinken wein und erzählen geschichten, die zukunft verheißen, uns befreien von den apokalyptischen bildern, die in angst uns versetzen und schrecken. wir sind erschöpft, aber auch schöpfer. sehen, was wir gemacht haben, und sagen: es ist nicht vollendet, doch es ist gut.“ (Mi 4)

Weitere Fotos unter
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