Forschungstag 2026 an der PPH Burgenland: Elternarbeit und Bildschirmzeit im Fokus
Der Forschungstag der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland widmete sich heuer einer zentralen Herausforderung schulischer Bildung: der professionellen Zusammenarbeit mit Eltern. Aktuelle Forschungsergebnisse und praxisnahe Diskussionen unterstrichen den wachsenden Handlungsbedarf in der Pädagog:innenbildung.
Eine aktuelle Studie des Instituts Peter Hajek zeigt, dass insbesondere Berufseinsteiger:innen sich eine stärkere, praxisorientierte Ausbildung in der Elternarbeit wünschen. Auch die Bildungsdirektion für Burgenland sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Vor diesem Hintergrund kündigte die PPH Burgenland an, das Themenfeld im kommenden Studienjahr verstärkt in Lehre und Forschung zu verankern. Rektorin Sabine Weisz und Vizerektor für Forschung und Hochschulentwicklung Herbert Gabriel betonten in ihren Begrüßungsworten die strategische Relevanz einer professionell reflektierten Elternarbeit für die Qualität schulischer Bildungsprozesse.
Assimina Gouma, Hochschulprofessorin für Schulpädagogik und Elternkooperation an der Pädagogischen Hochschule Wien, sprach zum Thema „Eltern und Schule: Forschungsergebnisse und Perspektiven für die Pädagog:innenausbildung“. Nach einem historischen Rückblick auf das Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule setzte sich der Vortrag mit dem theoretischen Konzept der „Bildungskindheiten“ und mit Bildungsungleichheit auseinander.
In ihrer Analyse beleuchtete Assimina Gouma die Beziehung zwischen Elternhaus und Schule aus einer machtkritischen Perspektive: Einerseits ist die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Bildungsinstitutionen maßgeblich von gesellschaftlichen Machtverhältnissen sowie strukturellen und institutionellen Rahmenbedingungen geprägt. Andererseits stellen Eltern eine heterogene Gruppe mit unterschiedlichen (Bildungs-)Biografien, ökonomischen Ressourcen und soziokulturellem Kapital dar.
Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Elternbeteiligung allein nicht zur Reduktion von Bildungsungleichheit ausreicht. Die Pädagog:innenausbildung kann jedoch wesentlich zur Entwicklung reflexiver professioneller Haltungen sowie zu gemeinsamen institutionellen Interventionen beitragen, die tragfähige und partnerschaftliche Kooperationen fördern.
Ein weiterer Schwerpunkt des Forschungstags war die Nutzung digitaler Medien durch Kinder und Jugendliche. Lukas Teufl von der Gesundheit Österreich GmbH präsentierte aktuelle Daten aus internationalen Studien wie Health Behaviour in School-aged Children (HBSC), European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs (ESPAD) sowie der JIM-Studie.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Zusammenhänge zwischen hohen Bildschirmzeiten und häufiger auftretenden gesundheitlichen Beschwerden, geringerer körperlicher Aktivität sowie psychosozialen Belastungen wie Depressivität, Ängstlichkeit und Einsamkeit. Eltern komme dabei eine zentrale Vorbildfunktion zu. Ein reflektiertes eigenes Medienverhalten sowie klare Regeln im familiären Alltag könnten präventiv wirken.
Praxisnahe Impulse lieferte zudem Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at. Sie stellte konkrete Strategien für den Familienalltag vor, darunter Social-Media-Pausen, bewusste Datennutzung, den Einsatz von Tracking-Apps, gegenseitige Unterstützung innerhalb der Familie sowie gemeinsam vereinbarte handyfreie Zeiten.
Am Nachmittag vertieften zwei Workshops die Tagungsschwerpunkte: die Zusammenarbeit mit Eltern in der Pädagog:innenbildung sowie der Handykonsum an der PPH Burgenland. Die Verbindung von wissenschaftlicher Evidenz und praxisnaher Reflexion unterstrich den Anspruch der PPH Burgenland, aktuelle Herausforderungen evidenzbasiert und handlungsorientiert aufzugreifen.
Im Rahmen des Forschungstags wurden zudem zwei aktuelle Publikationen der PPH Burgenland präsentiert: phpublico (Heft 16) sowie der Hochschulbericht 2024/25.
Ein besonderer Dank gilt den Organisatorinnen des Forschungstags, Viktoria Berzsenyi-Schweitzer, Leiterin des Zentrums für Forschung, und Sabine Haider, Institutsleiterin für Hochschul- und Personalentwicklung.
Bildquelle: Private Pädagogische Hochschule Burgenland