Zentrum für Gewalt- und Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung

Schule hat die Aufgabe, Bedingungen für ein Zusammenleben zu gestalten, das jedem Individuum persönliche Entfaltungsmöglichkeiten eröffnet. Bedürfnisse aller Personen sollen gehört werden und Raum haben, ohne den sozialen Kontext aus dem Blick zu verlieren. 

Der Leitgedanke unserer Arbeit im Zentrum für Gewalt- & Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung ist, Pädagog_innen dabei zu unterstützen, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu empathischen, selbstbewussten, selbstverantwortlichen und beziehungsfähigen Personen zu begleiten und zu fördern. 

Beziehungsgestaltung und Persönlichkeitsbildung verstehen wir als Basis pädagogischen Handelns und fürsorglicher Entwicklungsbegleitung. Besondere Bedeutung haben Persönlichkeitsstärkung, (soziale) Verantwortung, Peer-Learning, Gewalt- und Mobbingprävention sowie Leadership. 

Aus diesem Blick ergeben sich für uns folgende Leitfragen: 

  • Welche Beziehungsangebote, Kompetenzen und Rahmenbedingungen sind wichtig, um sich zu einer empathischen, selbstverantwortlichen und selbstbewussten sowie beziehungsfähigen und mündigen Person zu entwickeln? 
  • Welche Werte, Haltungen und Fähigkeiten braucht es von den handelnden Erwachsenen, die mit den Kindern und Jugendlichen in Beziehung treten? 
  • Welche Strukturen, Programme, Publikationen, Methoden und Maßnahmen sind geeignet, hierbei zu unterstützen? 

HIER finden Sie Initiativen, Hilfsangebote sowie psychosoziale und pädagogische Materialien, die Pädagog_innen in ihrer Arbeit mit jungen Menschen unterstützen.


Webinarreihe: Das Unfassbare in Worte fassen – Handlungsoptionen für Pädagog_innen

Die Bilder des Krieges direkt in unserem Umfeld, die Flucht so vieler Menschen und das damit verbundene Leid machen uns tief betroffen.

Die Berichterstattung in den Medien und auch die Social-Media sind voll von Nachrichten zum Krieg in der Ukraine und den damit verbundenen Folgen. Dies löst gerade bei Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen oftmals Angst und Verunsicherung aus. Auch wenn wir Erwachsenen selbst verunsichert sind, kommt uns besondere Verantwortung zu. Wir können verlässliche Ansprechpartner sein, die zuhören und zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen mit ihren Sorgen und Gefühlen nicht allein sind. Wir können bedachtsam und stützend Beziehungsräume gestalten, die Halt geben. Wir können unser Bestes tun, um für Kinder und Jugendliche, die aus der Krisenregion flüchten mussten, in der Schule einen stärkenden Rahmen zu gestalten. Vor allem aber können wir Schule gerade jetzt als Ort der Gemeinschaft, der Sicherheit und Konstanz für Schüler_innen gestalten und uns auf hierfür besonders wichtige Faktoren besinnen.

Um hierbei zu unterstützen hat die Private Pädagogische Hochschule Burgenland mit ihren Partnerinstitutionen nun erneut ein erweitertes Angebot an Online-Veranstaltungen zusammengestellt. Neben Online-Vorträgen mit anschließenden Diskussionen gibt es auch die Möglichkeit, sich im
Format der Micro-Online-Beratung gezielt Unterstützung für die pädagogische Praxis zu holen.
Das Team der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland lädt Sie herzlich zur Teilnahme an den Online-Veranstaltungen ein.

Programm (pdf)

Das Zentrum für Gewalt- & Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung an der PPH-Burgenland widmet sich zentralen Schwerpunkten, die von besonderer Bedeutung für die Persönlichkeitsbildung, Beziehungsgestaltung und Primärprävention an Schulen sind. Dies umfasst die hier dargestellten Themenbereiche, die im Sinne umfassender Entwicklungsprozesse an Schulen gedacht werden. Um hier breite Wirksamkeit erzielen zu können, ist ein ganzheitlichen Blick auf Professionalisierung, Unterrichtsentwicklung und Organisationsentwicklung erforderlich.  

Die Entwicklung jedes Menschen ist mit individuellen Bildungsprozessen verbunden. Wir lernen immer – bewusst und unbewusst, von und mit anderen – auf unsere eigene Art und Weise. Dies geschieht insbesondere durch Interaktionsprozesse mit der Umwelt. Durch diese Impulse entwickeln wir in Ko-Konstruktion mit unserem Umfeld unsere Wirklichkeit. Gerade in jungen Jahren ist in diesem Prozess die Förderung persönlichkeitsstärkender und lernförderlicher Haltungen sowie sozio-emotionaler Kompetenzen von großer Bedeutung. Es geht darum, die einzelnen Individuen zu stärken  und eine für alle Beteiligten förderliche Gemeinschaft zu ermöglichen. Alle Beteiligten sollen in ihrer Persönlichkeit an diesen Prozessen wachsen können. 

Nur in einem ausgewogenen Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft und mit Bedacht auf die unverhandelbare Würde des Menschen können die Gelingensbedingungen für förderliche Bildungsprozesse geschaffen werden. Beziehungsgestaltung so umzusetzen, dass konstruktive und tragfähige Beziehungen in der Peer-Group, Klasse und Schule möglich werden, ist eine zentrale pädagogische Aufgabe. Der Aufbau eines Klimas des Vertrauens und des Wohlbefindens hat vor allem in der Ermöglichung nachhaltiger Bildungsprozesse in Gruppen Bedeutung. Hierfür braucht es klare Rahmenbedingungen, Regeln, Vereinbarungen und Grenzen ebenso wie fürsorgliche Anteilnahme und pädagogische Führung. Die Vorbildwirkung von Pädagog_innen in der Ausgestaltung ihrer Beziehungen mit Kindern und Jugendlichen hat hierauf großen Einfluss.  

Die grundlegenden, von Jesper Juul geprägten, Werte der Gleichwürdigkeit, Integrität, Authentizität und Verantwortung haben auch hier große Bedeutung. Es geht darum, fürsorglich – sich selbst und anderen gegenüber – die eigene Führungsrolle auszufüllen. Das bedeutet auch, eigene Bedürfnisse und eigene Grenzen zu kennen und diese authentisch sowie angemessen vertreten zu können. Pädagog_innen zeigen als Rollenmodell auf diese Weise, dass eigene Bedürfnisse zu spüren und sie angemessen zu äußern eine Grundlage für die Gestaltung eines gemeinsamen Lebensraumes ist. Das ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, auch ihre Bedürfnisse und Wirklichkeiten ohne Sorge vor Bewertung zu äußern. Die Rahmenbedingungen zu gestalten, in denen sich diese Beziehung und Förderung vollziehen, liegt in der Verantwortung der Erwachsenen.  

Kinder und Jugendliche lernen ebenso wie Erwachsene in großem Ausmaß durch Vorbilder und Erfahrungen von Freunden und Gleichaltrigen. Aus dem Einfluss, den Peers auf Lernprozesse und die Gemeinschaft haben, kann durch Peer-Learning ein pädagogisches Konzept werden. Dieses ermöglicht es, Vertrauen von Schüler_innen in sich selbst, in die Gruppe und in Lehrer_innen aufzubauen. Möglichkeiten der Beteiligung und der Verantwortungsübernahme im Schulalltag werden hierdurch geschaffen.  

Ziel von Peer-Learning-Programmen ist, dass Schüler_innen individuelle Kompetenzen in all ihrer Vielfalt einbringen, Verantwortung übernehmen und an Herausforderungen wachsen. Auf diese Weise erleben sie Selbstwirksamkeit und entwickeln Zutrauen in ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten. Peer-Learning legt daher besondere Aufmerksamkeit auf Stärkenorientierung, sozio-emotionales Lernen und der Gestaltung förderlicher Beziehungen im pädagogischen Alltag.  

Peer-Learning-Programme helfen dabei, Schule zu einem Ort der Persönlichkeitsstärkung zu machen, an dem individuellen Stärken größere Bedeutung als noch vorhandenen Defiziten beigemessen wird. Dadurch wird ein nachhaltiger, dauerhafter Bildungsprozess im Sinne des Vertrauens auf sich selbst angeregt und gefördert. 

An der eigenen Schule müssen sich Schüler_innen und Lehrer_innen sicher und wohl fühlen können. Gewalt und Mobbing beeinträchtigen nicht nur die psychische und physische Gesundheit, sondern auch die sozio-emotionale Entwicklung sowie die Beziehungsqualität aller Beteiligten und somit auch die Gelingensbedingungen für Bildungsprozesse. Maßnahmen schulischer Primärprävention haben hierbei besonders große Bedeutung für die Ermöglichung eines Lernraums Schule, an dem ohne Angst vor Übergriffen gelebt und gelernt werden kann.  

Schulleiter_innen sowie Lehrer_innen haben einen entscheidenden Einfluss auf erfolgreiche Lern- und Lehrprozesse und Primärprävention von Gewalt durch: 

  • ihren Einsatz & ihre Vorbildwirkung 
  • bedingungslose Ablehnung von Gewalt 
  • klare Grenzziehungen und würdewahrende Konsequenzen 
  • Förderung prosozialen Verhaltens  
  • Wissen um die Stärken und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen 
  • professionelle Reflexionsbereitschaft von Praxiserfahrungen. 

Insbesondere durch die Vermittlung von Wissen über die Entstehung von und den Umgang mit Gewalt, durch konsequentes Einschreiten, die Stärkung sozialer und emotionaler Kompetenzen und konstruktive Konfliktlösungsansätze, kann diese Primärprävention gelingen. Hierfür ist ein gemeinsames Vorgehen der Schulgemeinschaft sowie die Verbindung von Unterrichtsentwicklung, professioneller Weiterentwicklung von Pädagog_innen und Organisationsentwicklung besonders wichtig. 

Die Art und Weise der Führung im Schulsystem bestimmt das Schulklima maßgeblich mit und kann die damit verbundene Verantwortung auch in Schulentwicklungsprozessen bewusst aufgreifen, reflektieren und gestalten.  Schulleiter_innen sind hierbei die zentralen „Change Agents“. Bei ihnen liegt einerseits die strukturelle Verantwortung für die Qualitätsentwicklungsprozesse. Sie schaffen jedoch durch ihre Vorbildwirkung auch den Raum für prosoziales Verhalten, Empathie, Konfliktprävention und wechselseitige Fürsorge. In der Führungsverantwortung an Bildungseinrichtungen kann der Blick daher besonders darauf fokussiert werden, die Kommunikation so zu gestalten, dass die Verbindung zu- und miteinander gestärkt wird, Mitarbeiter_innen Orientierung für ihr Handeln gewinnen und sich emotional als Mitglied der Organisation fühlen.  

Publikationen – Transferarbeit  

Erarbeitung und Herausgabe von Publikationen. Wissenschaftsbasierte Auseinandersetzung sowie Transformation in praxistaugliche Formate (bspw. Leitfäden) in Bezug auf: 

  • pädagogische Beziehungsgestaltung 
  • Peer-Learning 
  • konstruktive Konfliktbearbeitung 
  • Gewalt- und Mobbingprävention  
  • Persönlichkeitsbildung und Persönlichkeitsstärkung 
  • Selbstkompetenz, sozio-emotionale Kompetenz, Systemkompetenz 
  • Leadership 

Beratung und Fortbildung – Professionalisierung & Unterstützung der Praxis  

Organisation und Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikator_innen, Durchführung von (Pilot)Projekten; Beratung von Bildungsinstitutionen – insbesondere Schulen, Schulleiter_innen und Pädagog_innen – bei der nachhaltigen und professionsbezogenen Verankerung von:  

  • pädagogischer Beziehungsgestaltung 
  • Peer-Learning-Programmen 
  • konstruktiver Konfliktbearbeitung 
  • Förderung von Persönlichkeitsbildung und Persönlichkeitsstärkung 
  • Gewalt- und Mobbingprävention 
  • Methoden, Modellen und Umsetzungsmöglichkeiten der Förderung personaler, sozialer und emotionaler Kompetenzen  
  • dem Schaffen eines förderlichen Rahmens nachhaltigen Bildungserwerbs in Gruppen 
  • Führung und Management von Bildungseinrichtungen und Klassen 

Systemvernetzung 

Öffentlichkeitsarbeit sowie Aufbau von Kooperationen mit Bildungs- und Wissenschaftsinstitutionen sowie mit NPOs und Initiativen im Bildungsbereich. 

Das Zentrum für Gewalt- & Mobbingprävention und Persönlichkeitsbildung bietet themenspezifische und auf aktuelle Bedarfe abgestimmte Fort- und Weiterbildungsangebote an. Inhaltlich bewegen sie sich von evidenzbasierter, unterrichtsbezogener Primärprävention bis hin zu umfassenden Schulentwicklungsmaßnahmen. Besonders wichtig bei der Gestaltung unserer Angebote ist uns die direkte Einsatzmöglichkeit im pädagogischen Handeln und der Blick auf niederschwellige sowie nachhaltige Maßnahmen.

Ausgehend vom Projekt „Schulklima 4.0 – Schlüssel zur Prävention“ finden im Sommersemester 2022 Online-Seminare zu den Themenfeldern Klassenklima, psychosoziale Gesundheit und Gewaltprävention statt. 

Die Online-Seminare sind für alle interessierten Pädagog_innen zugänglich. Eine Anmeldung ist zwei Wochen vor dem jeweiligen Termin möglich, sofern noch freie Plätze vorhanden sind. Hier finden Sie den Katalog zu den Online-Seminaren. 

Online-Seminare (pdf)

Die bundesweite Tagung findet in diesem Jahr von 1.-2.Sept. statt. Kernthema wird die Wirkung des Schul- und Klassenklimas auf die psychosoziale Gesundheit und die Prävention von Gewalt & Mobbing sein. Hierbei wird die Bedeutung von Schulentwicklung besonders in den Blick genommen.

Die Beziehungen in der Klasse und das Schulklima wirken sich sowohl auf das Wohlbefinden aller Beteiligten als auch auf die Ermöglichung individuellen Lernerfolgs aus. Wohlwollende Interaktion, ein konstruktiver Umgang mit Konflikten und auch die Anerkennung des „Anders-Seins“ aller Beteiligten – also wie Beziehungen geformt und gelebt werden – sind hierfür von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus wirken diese Faktoren auch nachhaltig auf die psychosoziale Gesundheit und die Prävention von Gewalt und Mobbing.

Der verantwortungsvolle Umgang einer Gemeinschaft mit Diversität, Abweichungen und Konflikten ist in weiterer Hinsicht auch für die Verhinderung oder Ermöglichung eines Mobbingsystems verantwortlich. Entwicklungsfelder liegen hierbei bspw. in der Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen, Persönlichkeitsstärkung, der Vorbildwirkung von Pädagog_innen und dem Setzen von klaren Grenzen. Es liegt an den handelnden Personen, wie sich die sozialen Systeme entwickeln. Deshalb ist es wichtig, beginnende Formen von Übergriffen, destruktiver Kommunikation oder Gewalt wahrzunehmen und zielgerichtet zu intervenieren. Gelingende Prävention zeigt sich im Klassen- und Schulklima, das sich wiederum auf die Lernermöglichung sowie die Gesundheit und Lebenszufriedenheit der Schüler_innen auswirkt. Schule, die auch als Ort der Gemeinschaft, der Sicherheit, der Konstanz verstanden und gelebt werden kann, hat für Schüler_innen in ihrer Entwicklung große Bedeutung. Dieser Ort der Stabilität ist für viele Kinder zunehmend wichtiger geworden.

Gerade wenn es um die Förderung gelingender Beziehungen sowie die Prävention von Gewalt und Mobbing an Schulen geht, erweist sich auf die Schule zugeschnittene Schulentwicklung als ein zielführender Weg. Das liegt auch daran, dass hierdurch die spezifischen systemischen Wirkfaktoren der jeweiligen Schule zielgerichtet in die Entwicklungsprozesse integriert werden müssen. Die Tagung geht der Leitfrage nach, wie in Anbetracht dieser Dynamiken Schulentwicklungsprozesse gestaltet sein können, um in Bezug auf psychosoziale Gesundheit und die Prävention von Gewalt und Mobbing standortspezifische (Qualitäts)Entwicklung zu begleiten. In diesem Sinne werden bewährte Modelle zur Förderung psychosozialer Gesundheit sowie Mobbingprävention und -intervention vorgestellt. Handlungsoptionen werden erörtert,  sowie konkrete Handlungsschritte und Methoden zu Prävention und Intervention vorgestellt.

Für Nachmeldungen zur Veranstaltung bzw. Fragen zur Anmeldung kontaktieren Sie bitte Karina Piller unter karina.piller(at)ph-burgenland.at. Bitte geben Sie jeweils die LV-Nr. Z10S22WF01an.

Weiterführende Informationen finden Sie in dieser Ausgabe von phpublico.

Programm (pdf)

Folder Mobbingtagung 2022 (pdf)

Im Sommersemester 2022 startet die schulartenübergreifende und bundesweit ausgeschriebene Seminarreihe „Coach für Peer-Learning“. In drei Semestern werden die wichtigsten Kompetenzen und Techniken zum Aufbau und der Begleitung eines Peer-Programms am Schulstandort vermittelt. Die Situation rund um Covid19 hat sichtbar(er) gemacht, wie wichtig positive Beziehungen zwischen allen Akteur_innen des Schulsystems sind. Erst durch diese und damit verbundene lebendige Lernräume kann ein gelingender Rahmen für Bildung geschaffen werden. Peer-Learning-Programme bieten hierfür vielfältige Möglichkeiten.  

Peer-Learning macht aus dem Einfluss, den Peers auf Lernprozesse haben, ein pädagogisches Konzept, das das Ziel verfolgt, Vertrauen von Schüler_innen in sich selbst, in die Gruppe und in Lehrpersonen aufzubauen, indem Möglichkeiten der Mitwirkung im Schulalltag und der Verantwortungsübernahme geschaffen werden. 

Modulreihe Coach für Peer-Learning (pdf)

Coach für Peer-Learning – Modulinformation (pdf)