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15/11, 11:50

Gastkommentar – Vizerektorin Mag. Inge Strobl-Zuchtriegl

 „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.
Bildung ist die einzige Lösung. Bildung zuerst.“

(Malala Yousafzai vor den Vereinten Nationen) 
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Was kann dieser Satz für die Pädagogische Hochschule Burgenland bedeuten, die sich selbst als Gestalterin von Bildungs- und Professionalisierungs-prozessen sieht und sich gesellschaftlichen und bildungspolitischen Herausforderungen stellt?

Eine Ausbildung durchlaufen wir mit dem Ziel einer Qualifizierung. Wer sich bildet, arbeitet an sich selbst und seinem Sein in der Welt. Ausbilden kann mich ein anderer, bilden kann ich nur mich selbst. Wir leben in einer Welt der Unsicherheit, des Umbruchs, der Suche nach Orientierung, wir haben große Erwartungen und Wünsche. Wir ziehen ExpertInnen zu Rate, um bloß nicht vom rechten Weg abzukommen. Aber lernen wir so auch das Leben von seiner spannendsten – der unvorhersehbaren – Seite kennen?
Peter Bieri sagt: Bildung beginnt mit Neugierde. Neugierde ist der Wunsch zu erfahren, was es in der Welt alles gibt. Zu wissen, get link was ist, und zu verstehen, warum es ist. In den Leitsätzen der PHB heißt es: Wir tragen bei zur Entfaltung des Menschen und somit zur Befähigung zu selbstbestimmtem, verantwortungsbewusstem und solidarischem Handeln.
Wie lässt sich nun der Satz von Malala Yousafzai  mit der aktuellen Situation und Position der PHB verbinden?
Kinder im Mittelpunkt des Tuns zu sehen, im übertragenen Sinn Studierende an der PHB, ist aus meiner Sicht „die“ Aufgabe unserer Hochschule. Die Neugierde der Kinder wach zu halten, für sie eine (Lern)Welt zu gestalten, Forschen zu ermöglichen, Zeit zum Entwickeln zu geben, Fragen zuzulassen und anzuregen, Geduld und Konzentration auch auf Kleinigkeiten zu legen, nach individuellen Begabungen zu fördern – das sind nur einige Punkte, die zusammen aber das wesentliche Ziel unserer inhaltlichen wie methodischen Ausrichtung sein sollen.
ErzieherInnen und LehrerInnen sind schon bei Platon diejenigen, die den Bildungsweg des Einzelnen begleiten, einen Bildungsweg, der immer zwischen Theorie und Praxis oszilliert. Eigenverantwortlichkeit, Ideen für die Zukunft und Flexibilität der PädagogInnen zeigen neue Wege auf, geben Richtungen vor, gestalten zukünftige Entwicklungen. Sich auf Nicht-Alltägliches und Fremdes einzulassen, Grenzsituationen ins Auge zu sehen, die eigene Unvollkommenheit zu akzeptieren, das Leben nicht mehr als ein Bündel von Risikofaktoren zu empfinden, sondern als spannendes Abenteuer, in dem eigene und nicht-konforme Ideen und Gedanken Platz haben, stellen angesichts der permanenten Umbrüche, Veränderungen und Forderungen der Gesellschaft enorme Anforderungen an PädagogInnen. Dazu bietet die PHB ein entsprechendes Angebot mit umfangreichen Hilfestellungen, die sowohl die Erfahrung der Beständigkeit als auch die aktuellsten methodischen Entwicklungen der Veränderung – etwa im Bereich der Neuen Technologien – implementieren.
Ein Buch ist das Symbol für eine humanistische Welt. Es zu lesen bedeutet Veränderung. Der Leser lernt in diesem Prozess, wie unterschiedlich man das Denken, Wollen und Fühlen von Menschen ausdrücken kann. Das begriffliche Repertoire vergrößert sich, über das eigene Erleben kann nuancierter kommuniziert werden, was wiederum zu differenzierterem Empfinden führt. Nicht bloß Information wurde angesammelt, sondern innere Veränderung angestoßen und handlungswirksam.
Bildung erschließt nach Bieri noch eine andere Dimension: die gesteigerte Erfahrung von Gegenwart beim Lesen von Poesie, beim Betrachten von Gemälden, beim Hören von Musik. Worte, Bilder und Melodien - alles durch einen „Stift“ entstanden - zeigen ihre ganze Dimension beim Einlassen auf ihre sprachliche und kulturelle Vielfalt. Im Burgenland ist das eine gelebte Selbstverständlichkeit. Die Vielzahl von „analogen“ und „digitalen“ Stiften führt einerseits zu Überforderung und Verunsicherung, andererseits liegt es an uns – und auch dafür steht die PHB – eine verantwortungsvolle Auswahl zu treffen und den Umgang mit diesen „Tools“ zu lehren. Dieser Prozess wird uns in naher Zukunft sehr fordern.
Für die Weiterentwicklung der PHB wird daher die Professionalisierung und strategische Positionierung in der Bildungslandschaft genauso wesentlich sein, wie die Profilbildung der PHB, die von jenen Menschen geprägt wird, die in der PH wirken. Neue Ideen für die Zukunftsgestaltung einzubringen ist daher essentiell für den weiteren Weg der Entwicklung. Die PHB wird sich gemeinsam mit den anderen Institutionen im Verbund als tertiäre Einrichtung professionalisieren, angewandte Forschung und die Verschränkung von Theorie und Praxis vorantreiben. Ich bin schon sehr neugierig, wie wir auf diesem Weg voranschreiten werden. Neugierig. Damit fängt doch Bildung an. Dann wird es auch ein guter Weg für uns sein.