Projekt

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07/11, 19:19

Friedenspädagogik lernen, lehren, leben.

Einblick in innovative und zeitgemäße Aspekte der Friedensbildung für die pädagogische Praxis

Von: Marie Mörz

Am 5. und 6. November 2018 veranstaltete die Pädagogische Hochschule Burgenland in Kooperation mit dem Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK), der Bildungsdirektion Burgenland und der Kinder- und Jugendanwaltschaft Burgenland eine „Friedenskonferenz“ auf Burg Schlaining. FriedensexpertInnen aus Bildungsinstitutionen und "Non-Governmental Organisations" gaben PädagogInnen Einblick in verschiedene Aspekte der Friedensbildung und vermittelten ihnen das Zusammenspiel wissenschaftlicher Grundlagen mit praktischen Anwendungsfeldern aus dem Bereich Schule für zukünftige Friedensarbeit im eigenen (Arbeits-) Umfeld.

Landeshauptmann Hans Niessl, Bildungsdirektor Heinz Zitz, Präsident des ÖSFK Peter Kostelka und Rektorin der PH Burgenland Sabine Weisz betonten in ihren Statements die zentrale Bedeutung der Friedenspädagogik. SchülerInnen mit dem nötigen Wissen und friedenspolitischen Werkszeug auszustatten, die sie befähigen, in der Gesellschaft gewaltfreie Formen des Zusammenlebens zu entwickeln und damit Verantwortung für den Aufbau einer gewaltfreien Gesellschaft zu übernehmen, seien zentrale Bausteine des Bildungsauftrages.

Schule als Lebens- und Bildungsraum für eine Kultur des Friedens

Im Eröffnungsvortrag wies Prof. Uli Jäger von der Berghof Stiftung zu Friedenspädagogik und Globalem Lernen darauf hin, dass Schule ein Lern- und Lebensort sein sollte, wo junge Menschen sich mit Krieg und Gewalt, Konflikt und Frieden so intensiv auseinandersetzen können, dass sie eigene Haltungen und Positionen zu den Grundfragen des friedlichen Zusammenlebens entwickeln und Chancen auf Mitgestaltung erkennen und wahrnehmen. Wie die Voraussetzungen um diese Erwartungshaltung einzulösen sind, welchen Beitrag Friedenspädagogik dazu leisten kann oder wie eine „Modellschule ohne / gegen Gewalt“ aussehen müsste, wurde anschließend in einem Diskussionsforum erörtert.

Weitere Impulsvorträge und Diskussionsforen mit ExpertInnen wie Kenan Dogan Güngör, Leiter des Forschungs- und Beratungsbüros „Think.Difference“ und Florian Wallner, stellvertretender Leiter des Österreichischen Zentrums für Persönlichkeitsbildung und soziales Lernen (ÖZEPS) gaben Anstoß zu Reflexionen.

So widmete sich Kenan Dogan Güngör vornehmlich den Fragen der Migration, der Integration und der Vielfalt. Diese seien ins Zentrum der gesellschaftspolitischen Debatten gerückt und würden sehr ideologisch-emotional geführt. Er warnte vor der Gefahr vereinfachender Dichotomien in der entweder die Zugewanderten oder die Aufnahmegesellschaft als das Problem dargestellt werden. Die Schule sei häufig ein Kristallisations- und Austragungsort für solche Konflikte. Wie man damit umgehen könne, wenn nicht nur Mehrheiten Minderheiten abwerten, sondern zugleich auch Minderheiten andere Minderheiten oder Mehrheiten abwerten und wie sich das auf den Schulalltag auswirke, standen im Zentrum seiner Ausführungen.

Effiziente und nachhaltige Methoden der Mobbingprävention im Lebensraum Schule sowie die Frage „Wieviel Friedenspädagogik braucht die PädagogInnenausbildung“, wurden im Rahmen weiterer Debatten besprochen und vertieft.

In Praxisforen gaben AbsolventInnen des Hochschullehrganges „Global Peace Education“ theoretische und praktische Inputs zu gewaltfreier Kommunikation oder Konfliktlösung im Schulalltag und tauschten mit den Teilnehmenden persönliche Erfahrungen aus. Vielfalt und Facettenreichtum von Friedenspädagogik wurde auch am Beispiel dreier ausgewählter Projekte zum Thema Friedensbildung deutlich gemacht: Die Praxisinitiative „Auf dem Weg zum Frieden“ vom Zentrum für Friedensforschung und Friedenserziehung der Universität Klagenfurt, das Projekt „Friedenswochen“ von dem ÖSFK und der Hochschullehrgang „Global Peace Education“, eine Kooperation zwischen der PH Burgenland, dem ÖSFK und der Kinder- und Jugendanwaltschaft Burgenland.

Ziel 4.7 der Sustainable Development Goals

„Bis 2030 sicherzustellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung“ lautet das Ziel 4.7 der Agenda 2030 des UN-Aktionsplans.

Was bedeutet das für Österreich? Gibt es Initiativen in diese Richtung? Diese und andere Fragen diskutierten Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen UNESCO Kommission, Manfred Wirtitsch von dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft u. Forschung (BMBWF) und Gudrun Rabussay-Schwald, Leitung Menschenrechtsbildung/Amnesty International Ö, in einer abschließenden Podiumsdiskussion.

Zum Hochschullehrgang „Global Peace Education II“

Im Sommersemester 2019 wird ein zweiter Hochschullehrgang „Global Peace Education II“ gestartet. Er wendet sich an alle PädagogInnen des gesamten Bildungsspektrums mit abgeschlossener Ausbildung aus ganz Österreich und dauert vier Semester. Die TeilnehmerInnen erwerben theoretisches und praktisches Wissen aus dem Bereich Friedenspädagogik, Konfliktbearbeitung und -management sowie Gewaltpräventionen, mit dem Ziel, das erarbeitete Wissen und die erprobten Fertigkeiten in ihren Arbeitsalltag zu transferieren, zu reflektieren und nachhaltig anzuwenden, um zu einer Kultur des Friedens in ihren Bildungseinrichtungen und letztlich in der Gesellschaft beizutragen.

Weitere Informationen finden Sie hier: Folder (PDF)

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