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06/09, 11:31

Es gibt keine Bildung am Menschen vorbei

Symposium Bildung – Ästhetik - Religion das IRPB der PH Burgenland

Von: Harald Mandl

„Des Menschen Wesen ist die Bestimmung des sich Erkennens im Anderen. Bildung ist ein grundlegender Wahrnehmungsvorgang, es gibt keine Bildung ohne Sinnlichkeit. Je mehr ich mich in der Welt wahrnehme, desto reicher wird mein Leben, mein eigenes inneres Bild wird reicher.“ Mit diesen Gedanken steigt Joachim Kunstmann in seinen Vortrag „Ästhetik und Bildung“ ein.
Er verweist auf Peter Sloterdijks Aussagen über die heutige Schulsituation:
Schule ist heute für SchülerInnen eine Initiation in eine Lage, wo sie spüren, dass es auf sie nicht ankommt. Überhaupt dominieren in unserer Gesellschaft funktionale Muster. Entscheidend ist nur, was nützt. Unsere Gesellschaft ist dabei, alles Menschliche abzuschaffen.

Eine festzustellende Desorientierung in der Gesellschaft dokumentiert sich auch darin, dass SchülerInnen nicht mehr wissen, was sie wollen, viele beginnen dreimal ein Studium. Viele SchülerInnen sind zögernd, privatisierend, untermotiviert.
An den Kern des Lernens kommt man mit traditionellen Mitteln in der Schule nicht heran.
Die ReligionspädagogInnen aber passen am wenigsten in den funktionalisierten Betrieb hinein, da es bei ihren Inhalten immer schon um das Ganze, um existentielle Fragen und um die Frage nach Sinn geht.
Man muss respektieren, dass man es immer mit Menschen zu tun hat, die bereits Erfahrungen gemacht haben. Der nächste Zustand kann nur aus den Eigenleistungen des Menschen erfolgen. LehrerInnen sollten GastgeberInnen sein, Anregungen bieten.

Es gibt keine Bildung am Menschen vorbei!

„Bildung wird immer mehr dem funktionalen Diktat der Ökonomie unterstellt. Sie gerät damit zur Ausbildung, die auf die Entfaltung der Person keine Rücksichten nimmt. Auch die Neurobiologie bestätigt: Der klassische Bildungsgedanke ist uneingelöst. Er verweist darauf, dass Bildung nur als Selbst-Bildung sinnvoll und auf wache Wahrnehmung angewiesen ist. Ästhetik ist wesentlich für Bildung. Hier zeigt sich eine überdeutliche Nähe zur Religion. Auch sie ist wache Wahrnehmung und Bewusstseinssteigerung, die über die Sinne geht."

Bevor es aber um grundlegende Fragen der Bildung ging, eröffnete Rita Burrichter mit dem Thema "Das habe ich so noch nicht gesehen! – Chancen und Perspektiven des Umgangs mit Bildern der Kunst im Horizont religiösen Lernens“.

Sie konstatiert eine Nähe von Kunst und Theologie insofern, als sich beide Bereiche mit existenziellen Fragen beschäftigen:  „Dass sich die Kunst auch damit beschäftigen kann, um existentielle Erkenntnisse zu treffen, um nochmals zu fragen, wie ist die Welt zu deuten, was gibt es an Sinnstiftung, das, was die Kunst, insbesondere die Kunst der Moderne sich zum Programm macht, das ist mir eigentlich erst aufgegangen, als ich in Bochum bei Max Imdahl Kunstgeschichte studiert hatte, der diesen sehr existentiellen Zugang zu Werken der bildenden Kunst auch gepflegt hat.“

In der Überlieferung und Weitergabe des Glaubens haben Bilder der Kunst schon immer große Bedeutung gehabt: als Kult- und Andachtsbilder, als Meditations- und Erinnerungshilfen. Auch im Religionsunterricht aller Schulformen und -stufen spielen Bilder eine wichtige Rolle: als Medien der Veranschaulichung und der Motivation, als Zugänge zu Fragen des Glaubens und der Tradition. Burrichter wendet sich aber gegen einen „Inhaltismus“. Die religionspädagogische Bilddidaktik macht darauf aufmerksam, dass das Bild eine eigene „Sprache“ spricht, die spezifische Begegnungs- und Auslegungsprozesse erfordert, nicht zuletzt auch, um religiöse Lernprozesse anzuregen und zu begleiten. An Beispielen aus Tradition, Moderne und Gegenwart wurden bildbezogene und handlungsorientierte Zugänge zu Kunstwerken vorgestellt, die dazu beitragen können, Bildwelten zu erschließen und Bilderfahrungen zu machen.

„Die Aisthesis ist eine Erkenntnis, das ist ja Wahrnehmung nicht nur im Sinne von Rezeption, sondern es ist Wahrnehmung im Sinne von Erkennen. Ich mache eine Erfahrung, eine ästhetische Erfahrung, im Angesicht eines Bildes. Und diese ästhetische Erfahrung ermöglicht, nicht zwingend, aber sie ermöglicht, Erkenntnisse, Fragestellungen. Sie eröffnet Probleme, Sichtweisen, problematisiert Sichtweisen. Bildende Kunst ist so etwas wie ein Türöffner.“

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