BILDUNGSSTANDARDS UND NEUE LERNKULUR im BURGENLAND

Landeskoordinatorin für Burgenland
Mag. Dr. Renate Goger

Landesfachkoordinatoren:

AHS:
Deutsch: Mag. Ernestine Hemmer
Mathematik: Mag. Tanja Bayer-Felzmann
Englisch: Mag. Walter Zorn

HS:
Deutsch: HOL Gerhard Stimpfl
Mathematik: HOL Ruth Breinsberger
Englisch: HOL Emil Schöllerl, HOL Rosemarie Lehner

VS:
VL Barbara Kasper
VL Doris Mayer 

Testung Naturwissenschaftliche Bildungsstandards (PH, CH, BU) 

NAWI Landesfachkoordinatoren: 

AHS:
Prof. Mag. Gerhard Treiber

HS:
HOL Elisabeth Ringauf 

NAWI Pilotschulen: 

AHS:
BG/BRG Oberschützen
BG/BRG Neusiedl/See 

HS:
BTHS Stoob
HS Kobersdorf 

Weitere Mitarbeiter/innen, die als Referenten/innen, Multiplikatoren/innen und Rater/innen im Burgenland tätig sind: 

AHS:
Mag. Margarete Imre
Mag. Michael Frank 

HS:
HOL  Erhard Schwarzl
HOL Wolfgang Panner
HOL Karoline Mertl 

VS:
VL Michaela Schmidt – Töpfer 

BILDUNGSSTANDARDS IN ÖSTERREICH
Bereits in den 90er Jahren hat Österreich auf den immer schnelleren gesellschaftlichen Wandel reagiert und als notwendige Folge dieser Entwicklung die Autonomisierung der Schulen forciert. Innerhalb eines gemeinsamen Rahmens sollten Schulen selbst Anpassungen und Veränderungen vornehmen, die an einem bestimmten Ort und unter bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungen und Bedürfnissen sinnvoll sind. Die Autonomiebewegung hat in Österreich eine Stärkung der Selbstverantwortlichkeit von Lehrpersonen, Lehrerteams und Schulen in der methodisch-didaktischen Arbeit gebracht. Gleichzeitig verlangten die im internationalen Trend liegenden Vergleiche von Entwicklungen auf der regionalen, nationalen und europäischen Ebene (vgl. PISA2, TIMSS3 oder DESI4) eine komplementäre Strategie bei der Planung von Unterricht und schulbezogenen Entwicklungen. Ihr entspricht die Erstellung von Standards für Grundkompetenzen, mit denen eine zeitgemäße Grundbildung definiert, ihre Umsetzung gefördert und ein prüfender Blick darauf ermöglicht werden soll. Bildungsstandards sollen zeigen, inwieweit Schulen ihre Kernaufgabe der Vermittlung von allgemein als notwendig angesehenen Kompetenzen erfüllen. Sie wollen der Autonomie einen Rahmen geben und durch Setzen von Maßstäben die Verantwortlichkeit stärken. Zur Entwicklung und Implementierung von Bildungsstandards wurde vom Ministerium  eine Projektleitung eingerichtet, die von einer Steuergruppe, bestehend aus Vertreter/innen des Ministeriums, der Schulaufsicht (Pflichtschulen/höhere Schulen), Schulpraktikerinnen und Schulpraktikern, der Wissenschaft sowie des Zentrums für Schulentwicklung, unterstützt wird. 

1. Entwicklungsschritte 

Im Sommer 2002 wurden erste Arbeitsentwürfe für Bildungsstandards vorgelegt  und von Expertinnen und Experten einer kritischen Analyse  unterzogen. Die danach überarbeiteten Entwürfe standen seit Herbst 2003 an 18 Pilotschulen der 8. Schulstufe, im Sommersemester 2004 auch an mehr als 30 Volksschulen in der Pilotphase I (bis Juni 2004) auf dem Prüfstand. Evaluiert wurde diese Phase vom Zentrum für Schulentwicklung in Graz. Nach einer politischen Debatte wurde auch in Österreich ein breiter politischer Konsens zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards gefunden und ein Projektmanagement (Gesamtkoordination: Josef LUCYSHYN) eingerichtet, das die Entwicklung steuern und die Strukturen für eine generelle Erprobung legen sollte. Die Bildungsstandards wurden in einer mehrjährigen Pilotphase I und II (beginnend mit dem Schuljahr 2004/05) an ca. 140 ausgewählten Schulen in allen Bundesländern erprobt. Zielvorstellungen und Strategie wurden in allen Bundesländern für Schulaufsicht, Schulleitungen, Lehrerschaft und Öffentlichkeit kommuniziert. Die Pilotschulen wurden eingeladen, sich mit den Standards im Unterricht auseinanderzusetzen und den Standardentwicklern strukturierte Rückmeldungen über die Passung der Standards und die prototypischen Aufgabenbeispiele zu geben. Im Sommer 2007 wurde die Pilotphase II abgeschlossen. Für das laufende Schuljahr 2008 wurde die Zahl der Pilotschulen in der Sekundarstufe I auf vier Schulen verringert, und weitere Feldtests eingeplant. 

2. Konzept der österreichischen Bildungsstandards 

Standards sollen Lehrerinnen und Lehrern bessere Orientierung und mehr Sicherheit in in ihrer unterrichtlichen Arbeit geben. Es ist in der Diskussion wichtig zu unterscheiden zwischen den Standards, die demschulischen Lernen klare Ziele setzen und somit Orientierungscharakter haben, undder Standardüberprüfung (Test), die an den Nahtstellen der 4. u. 8. Schulstufe   vorgesehen ist und den erreichten Leistungsstand messen soll. Die Merkmale und Ansprüche von Standards lassen sich am besten anhand einiger Beispiele erläutern: Bildungsstandards sind in Österreich als Regelstandards konzipiert und legen fest, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler bis zu einer bestimmten Schulstufean wesentlichen Inhalten nachhaltig erworben haben sollen. Sie konzentrieren sich dabei auf wesentliche Bereiche eines Unterrichtsgegenstandes und beschreiben die erwarteten Lernergebnisse, wobei fachliche Grundkompetenzen definiert werden, die für die weitere schulische Bildung bzw. berufliche Ausbildung als bedeutend angesehen werden. Bildungsstandards drücken eine normative Erwartung aus, auf die die Schule hinarbeiten soll. Sie beeinflussen den Unterricht indirekt durch einen pädagogischen Orientierungsrahmen und den Blick auf Lernergebnisse (Outcome).Bildungsstandards werden in Österreich nicht als Instrument für ein Qualitätsranking konzipiert, sondern sollen als Hilfsmittel für die Selbstbewertung und Orientierung von Schulen und Lehrer/inne/n eingesetzt werden. Bildungsstandards ersetzen weder die Leistungsbeurteilung durch Lehrer/innen noch die Einstufung in Leistungsgruppen, da sie nur Teilbereiche des Lehrplans abdecken.Die Entscheidung zugunsten von Regelstandards versus Mindeststandards wurde getroffen, weil mit den Regelstandards eine größere Bandbreite der Schülerleistungen im differenzierten Schulsystem erfasst werden kann. Der Einführung von Mindeststandards und der daraus resultierenden Berechtigungsvergabe standen unüberbrückbare Hürden im differenzierten Schulsystem entgegen: in der Sekundarstufe 1 werden die Schulformen differenziert in die Hauptschule mit drei Leistungsgruppen und in die Allgemeinbildenden HöherenSchulen (AHS = Gymnasien). 

3. Systematik der österreichischen Bildungsstandards 

Einleitende Hinweise skizzieren den Beitrag des jeweiligen Faches zur Bildung und erläutern die fachspezifischen Besonderheiten der Standards. Die Kompetenzbereiche des jeweiligen Faches werden in einem Kompetenzmodell beschrieben und davon ausgehend die Standards formuliert. Kompetenzen werden für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte so konkret beschrieben, dass sie in Aufgabenstellungen umgesetzt und mit Hilfe von Testverfahren erfasst werden können. Grundlage für die Formulierung von Kompetenzen ist ein Kompetenzmodell, das den Ausgangsrahmen darstellt und die Übersetzung abstrakter Bildungsziele in konkrete Aufgabenstellungen ermöglicht und unterstützt. Die Standards werden durch Aufgabenbeispiele unterschiedlicher Komplexität veranschaulicht. Dabei muss der Bezug zum Lehrplan gegeben sein. Die Aufgabenbeispiele veranschaulichen die fachlichen Standards und illustrieren eine für das jeweilige Fach charakteristische Bandbreite von Aufgaben zur Feststellung des Lernstandes am Ende der vierten bzw. achten Schulstufe. Die Aufgabenbeispiele gehen von einem mittleren Leistungs- und Anforderungsniveau aus, wie es aus dem Lehrplan und Kompetenzmodell abgeleitet werden kann. Die Aufgabenbeispiele sind nicht als Testformate für Abschlussprüfungen oder Berechtigungen gedacht, sondern dienen zur Unterstützung der konkreten, praktischen Unterrichtsarbeit der Lehrerinnen und Lehrer. Spätere Tests zur Überprüfung der Bildungsstandards werden auf der Basis der Aufgabenbeispiele erstellt. 

4. Implementationsstrategie 

Die Entwicklung der Bildungsstandards ist als „work in progress“ zu sehen: Kompetenzmodelle und Standards werden elaboriert, Aufgabenbeispiele zur Illustration der Standards entwickelt und im Unterricht erprobt. Parallel dazu werden Testitems konstruiert und erprobt sowie Itempools angelegt. Die Politik hat akzeptiert, dass das Reformvorhaben Bildungsstandards Zeit braucht und in Form einer Pilotphase als Prozess gestaltet wurde. Es erscheint sinnvoll, diesen Prozess der Veränderung in den ersten Jahren besonders zu stützen, damit die Schulen lernen eigenverantwortlich die Qualität zusichern. Lehrpersonen müssen informiert und geschult werden ihren Unterrichtstärker zu reflektieren und eigenverantwortlich weiter zu entwickeln. Lehren im 21. Jahrhundert heißt nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern auch Lernen lernen. Dieser Fokus auf individuelles Lernen ist der Schlüssel um hohe Leistung und hohe Eigenständigkeit/-verantwortlichkeit zu erzielen, was im Gegenzug auch eine veränderte Beziehung mit den Schulen verlangt. Für den Transformationsprozess von einer Inputsteuerung zu einer Ergebnisorientierung (Outcome) brauchen die Schulen administrative und professionelle Begleitung. Das Risiko dabei besteht darin, dass die Pilotphase in einem Projektstatus stecken bleibt, wenn der Transformationsprozess nicht von einerkritischen Masse an Lehrpersonen und der Schuladministration getragen und innerhalb von fünf bis acht Jahren umgesetzt wird. Daher verfolgen wir zu Beginn eine top-down-Strategie mit stärkerer Lenkung des Prozesses; im Lauf der nächsten Jahre sollte es zu einer Rücknahme staatlicher Vorgaben kommen, und die Schulen leiten den Prozess der Qualitätssicherung zunehmend selbst. Beobachtungen zur Leistungsstandmessung zeigen, dass sich die Benotungspraxis der Lehrer/innen nicht systematisch kriteriengebunden sondern in hohem Ausmaß am Leistungsdurchschnitt der Schüler/innen orientiert. Standards können bei diesem Umstellungsprozess eine wichtige Orientierungshilfe für die Lehrpersonen geben. Die Bedeutsamkeit der angestrebten Lehr- und Lernziele und deren Vereinheitlichung durch Präzisierung der Vorgaben muss jedoch bei der Implementierung der Standards beachtet und kommuniziert werden. Für einen nachhaltigen Erfolg einer Veränderung zu (höherer) Ergebnisverantwortlichkeit ist daher ein Partizipationsmodell (Commitment) mit der Lehrerschaft eine unabdingbare Voraussetzung: es ist den Lehrpersonen zuerst das Konzept eines ergebnisorientierten Unterrichts zu vermitteln, damit sie die Erreichung/Nichterreichung der Standards im vielfältigen Kontext des Unterrichtenswahrnehmen können. 

5. Umsetzung 

Für die operative Umsetzung dieser Implementationsstrategie mussten erst die notwendigen Strukturen geschaffen werden, wobei nach Möglichkeit an bestehende Strukturen anzudocken war. 

Diese Einschätzung wird auch von Oelkers (2005) geteilt: 

Das System ist anpassungsfähig in und mit der gegebenen Struktur, daher sind solche Veränderungen möglich, die zur Struktur passen und sie nicht gefährden. Alles andere wird abgestoßen oder unpassend gemacht. 

Ausgehend von der Situation, dass in Österreich die Verantwortlichkeit für das Bildungswesen bei Schulgesetzen grundsätzlich beim Bund liegt, die Ländersubsidiäre Rechte bei den Pflichtschulen wahrnehmen, die Fort- und Weiterbildungsinstitutionen ( Pädagogische Hochschulen) sowohl beim Bund wie bei den Ländern angesiedelt sind, musste eine Struktur gefunden werden, die die unterschiedlichen Ebenen miteinander vernetzt. Dies geschieht in der Form, dass die Pädagogischen Hochschulen Fortbildungsveranstaltungen für die Lehrer und Lehrerinnen anbieten. Zur weiteren Unterstützung stehen die Landeskoordinatoren zur Verfügung. 

5.1 Ebene 1: Ministerium 

Auf ministerieller Ebene wurde in der schulführenden Sektion (Sek.I: Grundschulen und allgemein bildende mittlere und höhere Schulen) zuerst eine Projektleitung installiert, der die leitenden Ministerialbeamten sowie externe Berater angehören. Nunmehr sieht es so aus, dass dies Zentralstelle durch das BIFIE Salzburg und das BIFIE Wien für die operative Umsetzung der Standards ersetzt wurde. Das BIFIE Graz übernimmt Begleitung- und Evaluationsfunktion. 

5.2 Ebene 2: Bundesländer 

In allen neun Bundesländern gibt es eigene Schulverwaltungen („Landesschulräte“, für Wien den „Stadtschulrat“) und Lehrerfortbildungsinstitute ( Pädagogische Hochschulen des Bundes und/oder der Länder). Auf dieser Ebene kommt die unterschiedliche Gliederung des österreichischen Schulwesens besonders deutlich zum Ausdruck: es gibt eigene Abteilungen für die Grundschule (Volksschule), Hauptschule (Sek.1.), allgemeinbildende höhere Schulen (Gymnasien, Sekundarstufe 1 und 2) sowie berufsbildende mittlere und höhere Schulen. In den einzelnen Bundesländern wurden als strategisch wichtige Schlüsselstellen„Landeskoordinator/innen" installiert, der/die den missing link zum BIFIE und BMUKK herstellen und für die Planung und Umsetzung der von der Projektleitung definierten Ziele auf Landesebene verantwortlich zeichnen (operative Tätigkeit). 

Aufgaben- u. Anforderungsprofil des Landeskoordinators/ der Landeskoordinatorin 

+ Der/die Landeskoordinator/in soll in Zusammenarbeit mit der Schulaufsicht und den zuständigen Institutsleitern/innen der Pädagogischen Hochschulen, Fach- und Expertenteams (Experten/innen in D, M und E für Referenten/innentätigkeit, Rater/innen für Testungen VS, HS und AHS) aufbauen, Experten/innen, die für die Implementierung der Bildungsstandards und in Folge für die Unterstützung der Schulen (Multiplikatoren) zur Verfügung stehen. 

+  Die Information und Betreuung der ausgewählten NAWI Pilotschulen fällt ebenfalls in den Aufgabenbereich der Landeskoordinatorin/des Landeskoordinators. 

+ Der/die Landeskoordinator/in ist Ansprechpartner bei der Planung und Durchführung der Bildungsstandards Fortbildungsseminare in der VS, HS und AHS für D, M, E und NAWI

+ Weiters untersteht ihm/ihr die Planung und Durchführung der BIST - Testungen. Nur durch permanente Kommunikation und Betreuung können Ängste und Vorbehalte abgebaut werden. 

+ Einschulung der Testadministratoren/innen 

+ Der / die Landeskoordinator/in übernimmt die Rückmeldemoderation in den einzelnen Testschulen 

+ ist direkter Ansprechpartner des BIFIE – Salzburg, Wien und Graz 

5.3 Ebene 3: Schulen 

Schulleitung 

Die entscheidende Ebene für das Gelingen von Transformationsvorhaben wie z.B.der Implementation von Bildungsstandards ist die Schulebene. Neben der einzelnen Lehrperson, die den Unterricht auf die neuen Zielvorgaben hin neu orientieren muss, kommt den Schulleitungen eine dominante Rolle zu: sie müssen den Veränderungsprozess an der Schule managen und dafür ebenfalls professionalisiert werden. 

Vgl. FREUDENTHALER, H.H./SPECHT, W./PÄCHTER, M. (2004): "Von der Entwicklung zur Akzeptanz und professionellen Nutzung nationaler Bildungsstandards. Erste ausgewählte Evaluationsergebnisse der Pilotphase."in: Erziehung und Unterricht 154, 7-8, S. 606-612; sowie FREUDENTHALER, H.H./SPECHT, W. (2007):Bildungsstandards aus Sicht der Anwender. Evaluation der Pilotphase I zur Umsetzung nationaler Bildungsstandards in der Sekundarstufe I. Graz: ZSE, Abt.: Evaluation und Schulforschung. 

Schulleitungen wird vom BMUKK ein Qualifizierungsprogramm angeboten, das unter dem Titel „Leadership Academy“20Schulleiter/innen und Personen im Schulmanagement professionalisieren soll: 

Die Leadership Academy ist das Forum für eine österreichweite und institutionenübergreifende Weiterbildungsmaßnahme im Bereich Führung undInnovation für Schulleiterinnen und Schulleiter sowie für Führungspersonen aus demBereich des Bildungsmanagement (Zielgruppen). Sie baut auf ein Verständnis vonLeitung, das den Dialog ins Zentrum stellt, sie konzentriert sich auf das Kernanliegender Schule, exzellente Erziehungs- und Bildungsarbeit zu leisten (Leadership for Learning).Leadership verweist auf die Fähigkeit die Qualität der pädagogischen Arbeit aktiv undinitiativ, mit Gestaltungswillen, Mut, Überzeugungskraft und Vertrauen in dieInnovationsbereitschaft der Personen im System voranzubringen: Der Dialogermöglicht Orientierung und Vertrauen, Verantwortung übernehmen schafft Klarheitund Sicherheit, Verantwortung übergeben führt zu Teilhabe und Identifikation (SharedLeadership). 

Schulleitungen müssen befähigt werden, am Schulstandort ein Schulprogramm mit den Schulpartnern zu erstellen und die Schul- und Unterrichtsentwicklung professionell zu steuern. Dafür müssen sie im Besonderen strategische Handlungskompetenz entwickeln und sicher in der Kommunikation und Konfliktlösung sein, da Veränderungsprozesse zwangsweise einen Eingriff in liebgewordenen Traditionen und Verhaltensmuster von Lehrpersonen darstellen. 

Lehrer/innen 

Von großer Wichtigkeit für die Projektleitung ist die Frage, welche Unterstützung brauchen Lehrer/innen ganz konkret, wenn sie ihren Unterricht in eine bestimmte Richtung (Outcome) verändern sollen. Zur Unterstützung der Lehrer/innen stehen neben den Fortbildungsseminaren an der Pädagogischen Hochschule noch Downloads auf der BIFIE – Homepage zur Verfügung, die eine große Anzahl von Aufgabenbeispielen, Praxishandbücher und andere Publikationen beinhalten, die Hintergrundinformationen zu den Bildungsstandards in den einzelnen Fächern und zugleich praktische Anleitungen für die Unterrichtsplanung – und gestaltung anbieten. 

Schulkoordinator/in 

Auf der Ebene der Schule koordiniert ein/e Lehrer/in pro Fach (Deutsch, Englisch, Mathematik) die Implementierung der Bildungsstandards und administriert im Falle einer Standardtestung die notwendigen Vorbereitungen. Der/dieSchulkoordinator/in ist Ansprechpartner/in für den/die Landeskoordinator/in, organisiert auf Schulebene die Fachkonferenzen und koordiniert die Maßnahmen zur Implementierung der Standards. 

6. Bildungsstandard - Tests 

Im gesamten Informationsprozess über die Implementation von Bildungsstandards nimmt die Frage nach Tests von Seiten der Lehrpersonen eine zentrale Rolle ein. Dies ist deshalb verständlich, weil es in Österreich keine Tradition von Leistungstests gibt und mit einer Einführung solcher Instrumente große Ängste verbunden sind. Unbedingt vermieden werden muss, dass sich dadurch der Unterrichtauf ein „Teaching to the Test“ reduziert. Vielmehr müssen Lehrpersonen lernen, mitextern erhobenen Daten umzugehen und sie nutzvoll für eine Qualitätsverbesserung des eigenen Unterrichts und zur Förderung von Schüler/innen einzusetzen. Als besonders sensibel wird von uns die Form der Rückmeldung eines Messergebnisses eingestuft: es muss gelingen, eine Rückmeldekultur zu etablieren, die die Ergebnisse den Betroffenen so rückmeldet, dass dies zu einer effizienten Rückmeldekultur führt. Lehrer/innen und Schüler können ihre individuellen Leistungen auf einer Internetplattform abrufen: neben einer detaillierten Ergebnisrückmeldung zu den einzelnen Kompetenzbereichen wird auch ein Benchmark für den Österreichvergleich ausgewiesen. Schüler bekommen so ein Stärken-/Schwächenprofil, das in dieser Komplexität im Unterrichtsalltag von der einzelnen Lehrperson nicht erstellt werden kann. 

7. Gesetzliche Grundlage 

Gesetzliche Verankerung seit 2008 

Verordnung tritt mit Jänner 2009 in Kraft – SchUG § 17 (Bildungsstandards für die 1. – 8. Schulstufe) – Siehe www.bifie.at 

8. Ausblicke 

Die Entwicklung und Implementation von Bildungsstandards ist mittlerweile politisch außer Streit gestellt und steht im Einklang mit der gesamteuropäischen Entwicklung im Bildungsbereich – alle Länder setzen auf massive Qualitätsentwicklung in der Bildung um im globalen Wettbewerb die Chancen für unsere Kinder besser zu wahren. Der bisherige Verlauf zeigte, dass wir in Österreich einen guten Weg beschreiten, indem wir die Kollegenschaft in den Entwicklungsprozess von Anfang an einbeziehen. Wir sprechen direkt Lehrerinnen und Lehrer als die wichtigsten Adressaten für das Gelingen dieses Vorhabens an und hoffen, dass sie die Bildungsstandards als nützliches und hilfreiches Instrument in ihrem Unterricht einsetzen. Der Wechsel von der bisherigen Inputsteuerung zu höherem Outcome wird wesentlich unterstützt durch Etablierung von Netzwerken, die Gründung des Bundesinstitutes für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung (BIFIE) des Bildungswesens sowie - in Abstimmung mit den Universitäten - die Errichtung sog.„Fachdidaktischer Zentren“ an einzelnen Universitätsstandorten in Österreich. 

2010: NAWI Testungen in den Pilotschulen 

2009: Baseline - Testungen D, M, E in der 8. Schulstufe 

2010: Baseline - Testungen D, M in der 4. Schulstufe 

2012: Erste Standards - Tests in der 8. Schulstufe 

2013: Erste Standards - Überprüfung in der 4. Schulstufe

 

Literaturverzeichnis 

www.bifie.at/Publikationen

 

Kontakt 

Landeskoordinatorin für VS, HS und AHS:
Mag. Dr. Renate Goger
Private Pädagogische Hochschule Burgenland
Thomas Alva Edison-Strasse 1, 7000 Eisenstadt 

Tel: 0676 87043041
E-mail: Renate.Goger[at]ph-burgenland.at